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Wildtiere im Siedlungsraum Baden-Württembergs

Hintergrund

In ganz Europa erobern Wildtiere den Sieldungsraum. Längst geht es nicht mehr um altbekannte Untermieter menschlicher Behausungen und Gärten wie Steinmarder, Igel  und Fledermäuse; die Liste der „Stadttiere“ wird stetig länger. Phänomene wie die „Wildschweinplage“ in Berlin, die Waschbären in Kassel  oder die Füchse in Zürich sind keine Ausnahmen mehr. Wildtiere haben entdeckt, dass menschliche Siedlungen hervorragenden Lebensraum bieten mit konstantem Nahrungsangebot, milderem Klima, bester Deckung und wenigen Feinden. Die im Siedlungsraum oft wenig scheuen Wildtiere sind für viele Bewohner eine Bereicherung. Andererseits sehen sich die Kommunen neuen Konfliktfeldern gegenüber. Das Spektrum reicht von Lärmbelästigung über Verschmutzungen durch Kot, Fraß in Gärten, Aufgraben von Grünanlagen, bis zu Übertragung von Krankheiten und Unfällen mit Personenschäden. Handlungsbedarf ist offensichtlich, sowohl bezüglich Aufklärung und Prävention, als auch bezüglich Schadensminimierung und Populationskontrolle. Angesichts unklarer Zuständigkeiten (meist keine Wildschadensersatzpflicht), stark eingeschränkten  jagdlichen Möglichkeiten („befriedeter Bezirk“) und vorherrschend moralistischer Einstellung der Bevölkerung (Tierschutzbelange) ist es eine besondere Herausforderung, gangbare Lösungswege zu finden.

Zielsetzung und Ansätze

Zum Thema Wildtiere im Siedlungsraum fehlt in Baden-Württemberg derzeit eine umfassende Beschreibung der Situation und der wichtigsten Konfliktfelder. Erst auf dieser Grundlage können Lösungen erarbeitet und praxisnahe Handlungsleitfäden bereitgestellt werden. Ziel dieses Vorhabens ist es, eine umfassende Situationsbeschreibung vorzulegen, ökologische Grundlagen zu erarbeiten, den gesellschaftlichen Rahmen für das Wildtiermanagement im Siedlungsraum zu beschreiben und Lösungswege aufzuzeigen.

In einem landesweiten Ansatz sollen die folgenden Fragen geklärt werden, um schließlich Empfehlungen für ein Wildtiermanagement-Konzept in Baden-Württemberg zu erarbeiten:

  • Welche Wildtierarten kommen in den Siedlungen in Baden-Württemberg vor und lassen sich diesbezüglich räumliche und zeitliche Muster erkennen?
  • Welches sind die wichtigsten Wirkungen von Wildtieren im Siedlungsraum (positiv wie negativ) auf Menschen, und welche lassen sich vermutlich steuern?
  • Welche Steuerungsmaßnahmen werden von der Bevölkerung akzeptiert, welche abgelehnt?
  • Welches sind die am stärksten betroffenen Bevölkerungsgruppen?
  • Welche Strategien zum Umgang mit Wildtieren innerhalb von Siedlungen wurden bereits entwickelt und umgesetzt? Welche Erfahrungen gibt es?

In Form von Experteninterviews sollen zunächst die relevanten Themenbereiche und Personengruppen identifiziert werden, um sie dann im nächsten Schritt anhand von Fragebögen quantitativ zu erfassen. Des Weiteren werden verfügbare Informationen wie etwa Presseartikel, Internetquellen und Versicherungsstatistiken gesammelt und analysiert.

Projektleitung Prof. Dr. Ilse Storch
Bearbeitung Dipl.- Forstw. Geva Peerenboom
Betreuung Prof. Ilse Storch,
Dr. Andy Selter (Institut für Forst- und Umweltpolitik)
Laufzeit 2010-2013
Partner Institut für Forst- und Umweltpolitik
Auftraggeber
Ministerium für Ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz Baden-Württemberg
abgelegt unter: